Unbegrenzte Möglichkeiten und meterhohe Grenzzäune

Nach fast zwei Jahren in Lissabon gehe ich zurück nach Berlin. Während ich einfach in ein Flugzeug steige, um am Ort meiner Wahl zu leben, stehen andere vor meterhohen Grenzzäunen.

Wie die meisten habe ich mich sofort in Lissabon verliebt. Die weiße Stadt am Tejo macht es Touristen und Reisenden nicht besonders schwer: Mit durchschnittlich 2.799 Sonnenstunden pro Jahr ist Lissabon die drittsonnigste Stadt Europas und der Atlantik mit seiner wilden Küste und langen, oft einsamen Sandstränden liegt fast vor der Haustür. Ich war immer der Meinung, dass das Wetter nicht entscheidend zum Glücklichsein beiträgt. Aber nach fast zwei Jahren in der portugiesischen Hauptstadt muss ich zugeben, dass strahlende Sonne im Februar die Stimmung hebt.

Aber auch in Lissabon scheint nicht immer die Sonne und der Hype um die Stadt mit gerade mal einer halben Millionen Einwohner hat zum Teil katastrophale Auswirkungen für die Bewohner. Auf der einen Seite schwemmt der Tourismus Geld ins Land und schafft Jobs für arbeitssuchende Portugiesen. Auf der anderen Seite quetschen sich Menschenmassen durch die engen Gassen im Zentrum und in die überfüllte Tram 28, die Mieten steigen und Lissabonner mit durchschnittlichen Einkommen müssen an den Stadtrand ausweichen.

Was macht glücklich?

Auf eine erste Phase der Euphorie folgte deshalb die Desillusionierung. Wir stellten fest, dass wir mit unserem Sprachlehrer-Gehalt nur ganz knapp über die Runden kommen. Die steigenden Mieten im Zentrum konnten wir uns nicht leisten. Wir zogen von einer provisorischen Unterkunft in die nächste und landeten schließlich zu zweit in einem überteuerten WG-Zimmer in Chiado – zentral gelegen, aber von Touristen überlaufen.

Die ewig wiederkehrende Diskussion darüber, wo wie leben wollen und was im Leben glücklich macht, ging in etwa so: Strand vor der Haustür oder finanzielle Sicherheit? Mittelmeerklima oder Wohnung mit Zentralheizung? Abenteuer oder räumliche Nähe zu Freunden und Familie?

Das Privileg der Wahl

Das sind Wahlmöglichkeiten, über die sich die Generation meiner Eltern eher nicht den Kopf zerbrechen musste, und Privilegien derjenigen, die wie ich den richtigen Pass und ausreichend finanzielle Rücklagen besitzen. Wer diese Privilegien hat, steht vor einer scheinbar unbegrenzten Anzahl an Möglichkeiten. Wer sie nicht hat, steht vor meterhohen, militärisch gesicherten Grenzzäunen. Die Freiheit der einen, innerhalb der EU den Wohn- und Arbeitsort zu wählen, wird erkauft mit der Unfreiheit der anderen.

Letztendlich fiel die Wahl – aus unterschiedlichen Gründen – auf Berlin. In drei Tagen werde ich einen letzten Blick auf den Tejo werfen und dann in ein Flugzeug steigen. Der Flug nach Berlin dauert etwas über drei Stunden, die Fluggäste lehnen sich zurück und warten darauf, dass ein Snack serviert wird. Mit dem Wissen, dass das ein Privileg einiger weniger ist, fühlt es sich nicht besonders gut an, meine Bewegungsfreiheit zu nutzen.

Eine Antwort auf „Unbegrenzte Möglichkeiten und meterhohe Grenzzäune“

  1. Hi Carolin,
    I’m French and Portugues too, i send you an e mail at „birke@koope……de“ and at „info@birke……de“, maybe they’re closed’s email.
    Lisbon is a very beautiful city and choise where to be live
    Portugal is an indolent country where happiness is small’s nothing.
    You were lucky to experience this way.
    Maybe you become a little Portuguese, and if Portugal calls you down in Germany, it’s because the saudade awakens in you.
    if your e-mails work can answer you to the questions that I asked.
    Germ

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